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Interview zum Weltblutspendetag

Weltblutspendetag am 14. Juni – in Deutschland werden täglich 15 000 Blutspenden benötigt. Engpässe entstehen regelmäßig. Kunstblut gibt es leider nur im Film.

Foto: DRK SM

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Erst wenn ́s fehlt, fällt ́s auf

In Schmalkalden und Umgebung war „Blutspendealtmeister“ Rudi Breidl sehr bekannt für sein Engagement, nach seinem Tod im Jahr 2004 führt Olf-Rüdiger Schmidt diese Arbeit weiter.

Überall dort, wo am 14. Juni Blutspendeveranstaltungen im Kalender stehen, dürfen die Spender über den roten Teppich gehen, denn es ist Weltblutspendetag. Zurückzuführen ist er auf Karl Landsteiner. Geboren wurde der Pathologe, Hämatologe und Serologe am 14. Juni 1868 in Österreich. 1900 entdeckte Landsteiner das AB0-System der Blutgruppen, wofür er 1930 den Nobelpreis bekam. Der Weltblutspendetag wurde von der Weltgesundheitsorganisation, der Internationalen Organisation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, der Internationalen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und der Internationalen Föderation der Blutspendeorganisationen ausgerufen. Alle vier Organisationen setzen sich weltweit für sicheres Blut auf der Basis freiwilliger und unentgeltlicher Blutspenden ein. Der Tag wird seit 2004 jährlich und weltweit begangen. Zum Thema unterhielt sich Annett Recknagel mit dem Verantwortlichen für Blutspenden beim DRK-Kreisverband Schmalkalden, Olf-Rüdiger Schmidt.

Herr Schmidt, in unserer Region ist der rote Teppich am 14. Juni nicht ausgerollt worden.

Antwort: Nein, der 14. Juni liegt leider zwischen zwei Terminen. Wir laden am 3. Juni in Schmalkalden und am 21. Juni in Steinbach-Hallenberg zur Blutspende ein. Trotzdem bedanken wir uns ganz herzlich bei allen unseren treuen Spendern. In diesem Jahr wurden bereits 468 Konserven Blut abgegeben. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 100 weniger, leider.

Wie sieht die gegenwärtige Situation aus?

Antwort: Das Blut wird in der Pandemie natürlich mehr denn je gebraucht, gerade in den Krankenhäusern. Aufgrund der geringen Haltbarkeit der Blutpräparate ist ein kontinuierliches Engagement unabdingbar. Durch den demografischen Wandel verlieren die Blutspendedienste leider jedes Jahr langjährige Spender. Die Gewinnung neuer Spender ist eine zunehmende Herausforderung. Die Mentalität junger Leute ist anders – sie merken meistens erst, wie wichtig eine Blutspende ist, wenn in der eigenen Familie Blut gebraucht wird. Unsere älteren Spender kommen, weil sie helfen wollen – unabhängig ob es sie direkt betrifft.

Wie läuft eine Blutspende ab?

Antwort: Laut Hygienekonzept müssen sich die Spender am Eingang zunächst die Hände desinfizieren, danach erfolgt das Messen der Temperatur. Weiter geht es zur Anmeldung. Hier braucht man den Personalausweis. Jeder Blutspender ist in der Datei mit Strichcode erfasst. Ganz wichtig ist die Telefonnummer, um sie oder ihn bei Auffälligkeiten sofort informieren zu können. Nachdem der Selbstauskunftsbogen ausgefüllt ist, wird der HB-Wert des Blutes bestimmt. So wird der richtige Eisengehalt des Blutes festgestellt. Danach steht das Arztgespräch an. Hier wird unter anderem auch der Blutdruck gemessen. Wenn der Spender diese Stationen durchlaufen hat, kann er sich auf die Liege legen.

Ab wann darf man Blut spenden und wie viel Blut gibt man ab?

Antwort: Jede Person ab 18 Jahren, die gesund ist, darf Blut spenden. Es werden 500 Milliliter abgenommen. Bis 70 Jahre ist es möglich zu spenden. Wobei man im Alter von 65 Jahren als Erstspender nicht mehr spenden darf. Männer dürfen sechs- mal in zwölf Monaten Blut spenden, Frauen viermal.

Wann darf man kein Blut spenden?

Antwort: Wenn man unter 50 Kilogramm wiegt, wird man zur Blutspende nicht zugelassen. Zudem dürfen Personen, die blutverdünnende Medikamente einnehmen auch nicht auf der Liege Platz nehmen. Nachhause geschickt werden weiter Diabetiker – wenn sie allerdings nur Insulintabletten einnehmen, dann dürfen sie spenden. Nach Krebserkrankungen, Schlaganfall oder Herzinfarkt scheidet man als Spender ebenfalls aus. Hat man sich ein Tattoo oder ein Piercing stechen lassen, muss man vier Monate mit dem Blutspenden pausieren. Selbst homosexuelle Männer dürfen wegen der Aidsgefahr nicht spenden. Wobei ich das nicht recht nachvollziehen kann – aber so sind nun mal die Richtlinien.

Ist Blutspenden gesund und wenn Ja warum?

Antwort: Ich habe selbst jahrelang Blut gespendet, darf es aus gesundheitlichen Gründen jetzt leider nicht mehr. Für mich war immer wichtig, dass mein Blut kontrolliert wird. Außerdem fühlt man sich nach einer Spende wohler als vorher. Und – auch ganz wichtig – man hilft anderen Menschen. Wenn man bedenkt, dass aus dem Blut verschiedene Präparate hergestellt werden, dann rettet man mit einer Spende mitunter gleich mehrere Leben und das ist ein sehr erfüllender Gedanke.

Wie viele Termine gibt es im Jahr im Altkreis Schmalkalden?

Antwort: Insgesamt stehen 36 im Kalender. Im vorigen Jahr wurden 1225 Konserven abgegeben. Wir freuen uns auf jeden einzelnen Spender. Und können nur immer wieder appellieren, sich für die Blutspende zu entscheiden. Ein jeder nämlich kann in eine Situation kommen, in der er selbst Blut braucht. Gerade in den Sommermonaten wird der Bedarf an Blutkonserven höher, zum Beispiel durch die Motorradunfälle, und die Spender weniger durch die Urlaubsreisen.

Das Gespräch führten: Annett Recknagel, Freie Journalistin
und: Olf-Rüdiger Schmidt, DRK-KV Schmalkalden e.V.

23. Juni 2021 21:16 Uhr. Alter: 150 Tage