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Am Anfang war die Suppenküche (von Annett Recknagel)

Seit 30 Jahren bietet der DRK Kreisverband Schmalkalden „Essen auf Rädern“ an – nach wie vor wird es sehr gut angenommen, 130 Portionen gehen täglich auf Tour

Schmalkalden. „Horst Sauer hätte alles noch ganz genau gewusst“, sagt Renate Wagner. Mehr als 30 Jahre war sie beim DRK-Kreisverband Schmalkalden seine Sekretärin. Leider verstarb der einstige Vorstandsvorsitzende im vergangenen Jahr. Was bleibt sind Erinnerungen. Und Renate Wagner denkt sehr gerne zurück. Zum Beispiel an die Anfänge des „Essens auf Rädern“, das es schon 30 Jahre lang gibt. Begonnen hat alles mit der Suppenküche am Kirchhof. „Damals haben Renate Fiedler und Inge Necke gekocht“, weiß Renate Wagner. Einst gab es dort eine Anlaufstelle zum Mittagessen. Das „Essen auf Rädern“ ging erst später auf Tour. Zu dem Zeitpunkt war die Küche schon umgezogen in die Westendstraße. Dort holten die Zivildienstleistenden das „Essen auf Rädern“ ab und fuhren es direkt an die Haustüren der entsprechenden Damen und Herren. In Steinbach-Hallenberg wurde das „Essen auf Rädern“ im städtischen Kindergarten in der Bismarckstraße mit gekocht. Auch dort waren Zivildienstleistende für Abholung und Verteilung zuständig. „Die Nachfrage war groß. Das hat wirklich sehr gut geklappt“, erinnert sich RenateWagner. Die Zivildienstleistenden seien sogar für die Planung zuständig gewesen. „Es war alles super.“ Als der Zivildienst im Laufe der Jahre aufgehoben wurde, übernahmen DRK-Mitarbeiter den Bereich „Essen auf Rädern“. Längst wurden die Mahlzeiten am Entenplan gekocht. Die Schmalkalder und ihre Gäste hatten die Möglichkeit, in der dortigen DRK-Speiseneinrichtung auch zu Mittag zu essen. „Über die Jahre gab es verschiedene Küchenleiter“, berichtet DRK-Mitarbeiter Olf-Rüdiger Schmidt. Die Resonanz sei sehr gut gewesen. 150 Portionen, die mobil in die Haushalte gebracht worden seien, wurden gekocht. Weitere 130 Essen wurden für die Tagesgäste zubereitet. Stets hatte man die Wahl zwischen zwei Gerichten. Irgendwann aber waren die Nebenkosten für den Gebäudekomplex nicht mehr tragbar. Der DRK-Kreisverband Schmalkalden entschied sich, Küche und Speisesaal „umzulagern“. Bis vor kurzem war der CityTreff noch Anlaufpunkt für frisch gekochtes Mittagessen. Das Coronavirus aber funkte auch hier kräftig dazwischen. Miete und Nebenkosten standen in keinem Verhältnis mehr zu den Einnahmen. Der Anlaufpunkt musste geschlossen werden. Das „Essen auf Rädern“ aber rollte weiter. Kurz nach dem Auszug im Entenplan hatte der Vorstand um Vorsitzende Heike Fischer mit der Küche im Elisabethkrankenhaus Kontakt aufgenommen. Schnell wurde man sich einig. Seit November 2019 wird das „Essen auf Rädern“ in der Küche des Klinikums zubereitet. „Es wird auch am Wochenende gekocht - das ist das Schöne“, sagt Olf-Rüdiger Schmidt. Längst habe sich die Zusammenarbeit beider Einrichtungen bewährt. 130 Essen verlassen wochentags die Küche des Elisabethklinikums und werden an Ort und Stelle gefahren. An den Wochenenden sind es um die 30 Portionen weniger. Montags bis freitags fahren DRK-Mitarbeiter drei Touren. Die Erste führt über den Norden von Schmalkalden bis nach Floh und Hohleborn. Nummer zwei hat Näherstille, Walperloh, Grumbach und Breitenbach auf dem Plan. Die dritte Runde schließlich führt über Schmalkalden nach Volkers bis nach Möckers. An den Wochenenden stehen zwei Touren an. Das Essen wird früh gekocht, in Assietten verpackt und in Thermoboxen warm gehalten. Über die ganzen 30 Jahre stehen immer zwei Gerichte zur Auswahl. Die dazu gehörenden Pläne werden von DRK-Mitarbeiterin Alexandra Kürschner erstellt. Am heutigen Dienstag

beispielsweise hat man die Wahl zwischen Rippchen mit Sauerkraut und Stampfkartoffeln oder Kabeljau auf buntem Gemüse mit Kartoffeln. Als Nachspeise gibt es einen Schokotraum. Sollte jemand anstelle der Kartoffeln lieber Reis essen wollen, ist das auch kein Problem. Bei der Bestellung hat man die Möglichkeit sich entweder für das eine oder für das andere zu entscheiden. Der Speiseplan ist auch online zu finden. „Kinder können hier ganz flink Essen für die Eltern bestellen“, meint Olf-Rüdiger Schmidt. Die Speisepläne seien immer schon zwei Wochen im Vorlauf im Internet abrufbar, werden aber auch durch die Fahrer in Papierform zum Ankreuzen der Wünsche an die Essenteilnehmer verteilt. Er selbst ging probeweise schon einmal mit auf Fahrt. Hinterher stand für ihn fest: „Es ist mitunter gar nicht so einfach, manche Ecken anzufahren.“ Die Chauffeure aber würden ihre Wege ganz genau kennen und das Essen täglich an die richtigen Abnehmer liefern. In der Pandemie erfolgt die Lieferung natürlich kontaktlos. Die Fahrer sind mit Mundschutz und Handschuhen unterwegs und achten sehr genau auf einzuhaltende Abstände.

Autor: Annett Recknagel

22. Februar 2021 21:14 Uhr. Alter: 238 Tage