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Strahlende Stefanie fährt zum Landeswettbewerb

Um die Notfalldarstellung noch mehr in die Öffentlichkeit zu rücken, gab es in Schmalkalden jetzt einen ersten DRK-Kreiswettbewerb.

Sechs Plätze. Sechs Schminkkoffer. Sechs Mimen und sechs Akteure - alle hoch konzentriert. Was bei den Übungen von verschiedenen Einsatzkräften so einfach aussieht, erfordert Wissen, Können und viel Geschick. Gemeint ist die Notfalldarstellung. Dahinter verbirgt sich das realitätsgetreue Schminken von Verletzten. Heißt – vorkommende Wunden so echt wie möglich aussehen zu lassen. Und gerade das ist die Herausforderung für die Schminker. Die 17Jährige Lisa-Marie Heymel aus Trusetal bemühte sich, die Platzwunde über der Augenbraue von Nicole Münch so wie auf dem vor ihr liegenden Foto zu gestalten. Auch Eddie-Lee Fuchs aus Brotterode bekam eine solche simulierte Wunde über sein linkes Auge. Insgesamt wurden nach dieser Aufgabe, die beim Kreiswettbewerb der Notfalldarstellung für alle sechs Teilnehmer gleich festgeschrieben war, sechs Mimen in Verletzte verwandelt. Doch nicht nur die Augenbraue wurde „verunstaltet“ - auch auf dem rechten Handrücken der sechs Mimen klaffte eine ziemliche Wunde. Weil die Oberhaut komplett gelockert wurde, spricht man von Ablederung. Zudem sollte bei dieser Aufgabe gereinigte Wunden geschminkt und mit Blut möglichst sparsam umgegangen werden. Doch auch die erste Fragestellung des Kreiswettbewerbes in der Notfalldarstellung hatte es in sich. Hier sollte möglichst realistisch eine gequetschte Hand nachgestaltet werden. Nach einem Unfall war sie an der Außenkante aufgeplatzt, leicht verdreckt und auf dem Handrücken zeichneten sich frische Hämatome ab. Zudem hatte der Verletzte einen Schock. Keine leichten Szenarien für die Prüflinge. „Aber machbar“, meinte Katrin Fritz, die im DRK-Landesverband für die Notfalldarstellung zuständig ist. Der Bereich insgesamt fällt dem Jugendrotkreuz zu. Auch im Kreisverband Schmalkalden ist das so. Mit Stefanie Schiffner und Rainer Jahn (beide DRK-Ortsverband Schmalkalden) hat man zwei Akteure in den Reihen, die nicht nur den Grund- und Aufbaukurs in der Notfalldarstellung absolviert haben, sondern auch bereits ausgebildete Übungsmanager sind. „Wichtig ist das realistische Schminken, um die Ausbildung zu verbessern“, erklärte Stefanie Schiffner. In der Vergangenheit habe man gerade bei Einsatzübungen von Feuerwehren immer Dummys verwendet. Davon ist man längst abgekommen. Denn: Rettungskräfte sollten schon während ihrer Aus- und Weiterbildung mit den verschiedensten Wunddarstellungen konfrontiert werden. „Dann fällt der Anblick im realen Einsatz nicht mehr ganz so schwer“, weiß Kartin Fritz vom DRK-Landesverband. Zudem seien gerade die Schminker in der Vergangenheit immer etwas stiefmütterlich behandelt worden. „Man sieht das Ergebnis, aber nicht die Arbeit, die dahinter steckt“, so Fritz. Um die Akteure jetzt etwas mehr in die Öffentlichkeit zu rücken, hat man zum Landeswettbewerb in der Notfalldarstellung am 4. Juni nach Erfurt eingeladen. In Vorbereitung dessen haben die Kreisverbände Schmalkalden und Mühlhausen zum Kreiswettbewerb aufgerufen. In der DRK-Speiseneinrichtung hatte dieser Vergleich jetzt Premiere. Oberstes Ziel war es, die geforderten Unfallbilder so realistisch wie möglich zu schminken. „Das ist sehr anspruchsvoll“, meinte Julia Jäger, die mit 16 Jahren die jüngste Teilnehmerin war und am Ende einen guten vierten Platz belegte. Iris Peter bezeichnete das saubere Arbeiten als besondere Schwierigkeit. „Verschmutzungen sind nur dort aufzutragen, wo sie hingehören“, meinte die DRK-Frau. Fingerspitzengefühl war also sehr gefragt. Und wie empfanden die Mimen den Kreiswettkampf? „Es ist sehr interessant, zuzuschauen, wie solch eine Wunde entsteht“, meinte Julian Frankenhauser. Und Nicole Münch fügte schnell hinzu: „So lange das nicht echt ist, macht es Spaß.“ Trotzdem gab es auch konkrete Anweisungen für die Mimen. Bei der Quetschung der linken Hand sollten sie die Finger nicht bewegen, einen leidenden Eindruck machen und einen Schock simulieren. „Wenn man weiß, wie eine Verletzung aussehen kann, wird die Angst vor dem Anblick einer echten Wunde abgebaut und man bleibt im Notfall gelassener“, sagte Olf-Rüdiger Schmidt vom DRK-Kreisverband Schmalkalden und die gesamte Jury nickte. Auch für die Prüfer war die Veranstaltung in Schmalkalden Neuland. „Vergleichsmöglichkeiten haben wir noch keine“, meinte Kathrin Beier vom DRK-Kreisverband aus Mühlhausen. Aus der hiesigen Region gehörten Joachim Kittner und Stefanie Jungk zur Jury. Im Zweifelsfall wurde Notärztin Kerstin Eckardt um Rat gefragt. In der Siegerermittlung aber waren sich alle schnell einig. Stefanie Schiffner hatte die beiden Aufgaben am realitätsgetreuesten gelöst und fährt damit zum Landeswettbewerb nach Erfurt. Auf den zweiten Platz kam Rainer Jahn. Der Kreiswettbewerb soll ab sofort jährlich stattfinden. Die Jury überlegt sogar, ob man nicht auch für die Mimen solch eine Vergleichsmöglichkeit ins Leben ruft. (ar)

Text & Fotos: Annett Recknagel

10. Mai 2016 13:15 Uhr. Alter: 4 Jahre